Schwarzburger Schneidemühle / Bautischlerei & Zimmerei


Geschichte der Schwarzburger Schneidemühle



Im Jahre 1864 baute der Baugewerksmeister und Hotelier Johann Friedrich Macheleidt neben dem ehemaligen Eisenhammer in Schwarzburg ein Wohn- und Geschäftshaus um einen seßhaften  Zimmereibetrieb einzurichten.  In diesem Haus, heute Hauptstraße 20 in Schwarzburg wurde übrigens im Jahre 1887 der Schwarzburgbund (nichtschlagende Studentenverbindung) gegründet.          

                                                              

In diesem Gebäude wurde der Schwarzburgbund gegründet



 Das Bebeilen der Bloche zu Kanthölzern fand z.T. auf der öffentlichen  Straße vor dem Haus  statt. Zusätzlich wurde zu dieser Zeit die alte Schneidemühle mit einem hölzernen Horizontalgatter  in der Nähe der Dorfbrücke gepachtet.

Aufnahme vor 1890:  Bebeilen der Hölzer auf der Straße,  mit Melone Johann Friedrich Macheleidt, ganz rechts das Gründungshaus des Schwarzburgbundes



Auf Grund von Querelen mit dem Verpächter und der starken Baufälligkeit der alten Schneidemühle an der Dorfbrücke wurde der Pachtvertrag gekündigt. Gleichzeitig wurde in den 90-iger Jahren des 19. Jahrhunderts das Gelände der zum Verkauf stehenden Farbmühle von Dr. Worm & Schönau erworben. Das Grundstück mit Farbmühle befand sich angrenzend zum 1864 errichteten Wohn- und Geschäftshaus.

Auf dem Grundstück befand sich von 1421 bis 1848 der Schwarzburger Eisenhammer (mit 3 hölzernen Wasserrädern).


Schlacke vom Eisenhammer




Die Schneidemühle (Gebäudeteil der ehemaligen Farbmühle)




Die Gebäude der Farbmühle wurden zur Schneidemühle umgebaut und mit dem Wohn- und Geschäftshaus verbunden. Die vorhandenen Mühlsteine wurden z.T. beim Umbau in die Fundamente eingearbeitet. Der Größte Mühlstein jedoch wurde  ohne weitere Verwendung stehend im Gebäude belassen. Er ragt heute mit ca. 25% seiner Größe über den Fußboden im Erdgeschoß hinaus. Er befindet sich an einer ungenutzen Stelle unter der Treppe zum Obergeschoß. Um 1897 wurde ein Vollgatter der Firma Seifert & Co aus Olbernhau in Sachsen eingebaut. Der Antrieb erfolgte mit einem mittelschlächtigen eisernen Wasserrad. Das Rad hatte eine Breite von 3,20 m und eine Höhe von über 4 m bei ca. 20 PS Leistung. Es war eingehaust. Über die Transmission wurde neben den Gattern und  Holzbearbeitungsmaschinen (Drechselbank, Kreissäge, Abrichte, Hobelmaschine)  eine Dreschmaschine und eine Schrotmühle angetrieben.


"Großes Gatter" Seifert & Co Olbernhau/Sa.   Baujahr um 1897


Im Jahre 1912 erfolgte eine Erweiterung der Gatterhalle zur Straße hin. Es wurde ein weiteres Vollgatter installiert - Gubisch-Werke Liegnitz  40/45 cm Durchlass. Zur Überbrückung von Niedrigwasser der Schwarza und starkem Frost wurde zusätzlich eine Dampfmaschine beschafft und in die Transmission eingebunden. Es handelte sich um eine stehende Dampfmaschine von 15 PS Leistung. Für die Beleuchtung wurde bereits im Jahre 1902 ein Dynamo für 65 V Gleichstrom eingebaut sowie ein Batterieraum mit offenen Bleiakkumulatoren eingerichtet.


Schalttafel aus dem Jahr 1902





"kleines Gatter" Gubisch Werke Liegnitz  Baujahr 1912




handkolorierte Aufnahme um 1920  Ansicht von Süden



Im Jahre 1936 oder 1937 wurde ein liegender 1-Zylinder-Dieselmotor installiert (Deutz MIH 436). Auf Grund der Kraftstoffsituation des beginnenden Krieges war ihm nur eine kurze Laufzeit beschieden. Wasserrad und Dampfmaschine waren dann bis 1949 die einzigen Kraftquellen.


Dieselmotor Zustand 2010



Ab 1949 erfolgte langsam die Umstellung der Antriebe auf elektrischen Strom. Dazu sollte 1954 eine Turbine  das häufig defekte Wasserrad ersetzen (Achsbrüche wegen zu geringer Dimensionierung der Achswelle). Wirtschaftliche Überlegungen zwangen dann aber zur generellen Umstellung auf elektrischen Antrieb. Der Mühlgraben bestand zum größten Teil als gemauerter Graben mit vielen Brücken parallel zur Straße verlaufend. Hieraus ergab sich ein großer Unterhaltungsaufwand. Am Mühlgraben befanden sich 2 Mühlen.  Die alte Schneidemühle in der Ortsmitte wurde in den 1890-iger Jahren als Elektrizitätswerk umgebaut. Da der Oberlieger sein E-Werk in den 1950-er Jahren aufgab war ein wirtschaftlicher Unterhalt der Wasserkraftanlage nicht mehr gegeben. So wurde die schon zum Einbau vorhandene Turbine wieder verkauft.


Die Trafostation aus den 1950-iger Jahren

 


Heute werden die Gatter mit einem 27 bzw. 20 KW Motor betrieben. Bis 1994 wurden die Gatter regelmäßig  und bis 2008 noch gelegentlich gewerblich genutzt. Bis 1972 stand den Besitzern des Grundstückes im Hammergrund ein grundbuchamtlich eingetragenes Recht zu, Brückenzoll für die Brücke der öffentlichen Straße über den Mühlgraben im Hammergrund zu erheben. Gleichzeitig bestand die Pflicht des Brückenunterhaltes. Seit den 30-iger Jahren des 20. Jahrhunderts ist ein Gebrauch dieses Rechtes nicht mehr nachweisbar und nicht überliefert. Der Mühlgraben und seine Freifluter wurde bis 1980 vollständig verfüllt, das Wehr wurde im Zuge des Talsperrenbaus in Leibis 2009 zurückgebaut.

An historischer Technik sind neben den Gattern noch eine Vierseitenhobelmaschine aus dem Jahre 1934, eine Pendelsäge Gubisch-Werke Liegnitz Bj. 1912, Besäumkreissäge um 1898 sowie der Dieselmotor von 1937 vorhanden. Die Gatter und Kreissägen sind noch voll funktionstüchtig. Der Diesel ist seit 2016 wieder für Schauzwecke in Betrieb.